Hören ist mehr als viele denken
- Ein Ratgeber zum Thema Hörgerät
Viele Menschen hören schlecht, jeder Dritte der über 65jährigen hat Hörprobleme. Die Mehrzahl der Betroffenen nimmt das schicksalsergeben hin: " Das ist nun mal so, wenn man älter wird", oder verdrängen es: "Ich hör noch ganz gut, nur die anderen nuscheln so." Einen Besuch beim Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Hörgeräte Akustiker ziehen nur wenige in Betracht, um ihr Problem zu lösen. Damit verzichten Menschen, die sonst mitten im Leben stehen, auf ein gehöriges Stück Lebensqualität, denn sie verzichten auf mehrere wichtige Funktionen, die das Gehör erfüllt.
Dank unseres Gehörs können wir uns mit anderen Menschen verständigen. Zwar gibt es Zeichen- oder Gebärdensprachen, auch tragen Gestik, Mimik und Körperhaltung viel zur menschlichen Kommunikation bei, doch erst die Lautsprache ermöglicht eine äußerst differenzierte Verständigung.
Mit einem funktionierenden Gehör sind Gespräche auch unter ungünstigen Bedingungen (Hintergrundgeräusche, hallende Ansagen, schlechte Telefonverbindung) möglich, andererseits macht sich eine Schwerhörigkeit am frühesten dann bemerkbar, wenn in Gesellschaft mehrere Leute durcheinander reden..
Der Hörsinn alarmiert und warnt. Herannahende Menschen oder Fahrzeuge, die man nicht sieht, weil man gerade in eine andere Richtung blickt oder weil es dunkel ist, kann man hören. Hupen; warnende Zurufe, Tür- oder Telefonklingeln ereichen uns über das Gehör.
Das Gehör unterstützt die Orientierung im Raum. Auch mit geschlossenen Augen hören wir, ob wir uns in einem großen, halligen Raum oder in einem kleinen Zimmer befinden. Da wir mit zwei Ohren hören, können wir einschätzen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt.
Bei Gesprächen hören wir mehr als nur Worte. Wir nehmen auch die Sprachmelodie oder Tonhöhen wahr und entschlüsseln damit die Stimmung der Sprecherin oder des Sprechers. Das Gehör vermittelt Gefühle. Und es ermöglicht uns akustischen Genuß beim Hören von Musik, Vogelzwitschern oder der Meeresbrandung
Technisches Meisterwerk - oder Klotz am Ohr ?
Diese Funktionen des Gehörs sollen durch die Hörhilfe wiederhergestellt werden. Eigenartigerweise ist das Ansehen von Hörgeräten viel schlechter als das der Brille. Immer wieder stößt man auf Befremdung, teilweise sogar Ablehnung wenn das Gespräch auf die mögliche Verordnung eines Hörgerätes kommt. Meistens ist diese Einstellung unbegründet, vielmehr wird das Hörgerät dem Patienten nach einer Eingewöhnungszeit eine große Hilfe werden. Dieser Gewöhnungs-und Übungsprozeß ist immer notwendig, um dem Gehirn zu ermöglichen, sich auf die Hörhilfe einzustellen. Wartet man zu lange mit der Anpassung eines Hörgerätes, hat das Gehirn die Sinneseindrücke für das richtige Hören vergessen und der Hörgewinn durch ein Hörgerät wird schlechter ausfallen. Darum ist es auch besonders sinnvoll, bei beidseitiger Schwerhörigkeit beide Ohren zu versorgen, denn das zentrale Hörorgan im Gehirn ist von Geburt an auf das Hören mit beiden Ohren angewiesen.
Durch die großen Fortschritte in der Mikroelektronik hat die Hörgerätentwicklung gerade in den letzten zehn Jahren enorme Fortschritte gemacht. Es kommen heute über-wiegend halb- und volldigitale Geräte zum Einsatz, die bei Unterdrückung von Stör- und Nebengeräuschen besonders wirkungsvoll arbeiten.
Häufig werden heute Geräte eingesetzt, die sich komplett in die Ohrmuschel oder den Gehörgang einfügen und damit kaum oder auch überhaupt nicht sichtbar sind. Aber auch das hinter dem Ohr zu tragende (HDO)- Geräte hat weiterhin seine Stellenwert.
Der Arzt Ihres Vertrauens
Ihr behandelnder Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ist in der Diagnostik und Behandlung von Hörstörungen speziell ausgebildet. Er kann mit verschiedenen Hörtests die genaue Ursache einer Hörminderung/Schwerhörigkeit erkennen und die entsprechende Behandlung einleiten. Sollte die Diagnostik ergeben, daß es sich um eine Innenohrschwerhörigkeit handelt, also um eine Abnutzung der Haarzellen in der Hörschnecke, kann heutzutage den meisten Patienten mit einem modernen Hörgerät geholfen werden.
Probieren geht über studieren
Grundsätzlich erfolgt heutzutage eine Versorgung zur Probe, d.h. der Patientin bzw. dem Patienten wird ein individuell angefertigtes Gerät für zwei bis drei Wochen zur Verfügung gestellt, um alle Hörsituationen des täglichen Lebens in seinem Lebensumfeld mit dem Gerät auszuprobieren.
Die Zeit der Hörgeräte, die später einsam in irgendeiner Schublade vor sich hinpiepen, sollte damit endgültig vorüber sein. Sollte das Hörgerät die Erwartungen nicht erfüllen, wird es einfach wieder zurückgegeben oder ein weiteres Gerät ausprobiert. Erst wenn die Probeversorgung erfolgreich verlaufen ist. wird mit der Krankenkasse abgerechnet.
Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: die probeweise Anpassung eines oder mehrerer Hörgeräte ist für den Patienten immer kostenlos und unverbindlich !
Die Krankenkasse bezahlt für das Gerät einen Festzuschuß, der jedoch vielerorts für die Kosten des Gerätes nicht ausreicht und mit einer privaten Zuzahlung aufgestockt werden muß.
Als hochtechnisches Gerät bedarf ein Hörgerät der regelmäßigen Kontrolle. Weiterhin darf die Funktion des Gerätes nicht durch Verstopfungen im Gehörgang usw. beeinträchtigt werden.
Mit einem schlechtem Hörvermögen sollte man sich heutzutage in keinem Alter mehr anfinden, denn: Hören ist eine gehöriges Stück Lebensqualität
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